„Warum können die europäischen Landwirte nicht dieselben Vorteile nutzen wie wir?"

Landwirte aus sechs Ländern und drei Kontinenten berichteten über ihre Erfahrungen mit dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen

(02.11.2010) Auf einer Tagung in Brüssel berichteten Landwirte aus drei Kontinenten über ihre Erfahrungen mit dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Zusammen mit EU-Politikern, Wissenschaftlern und Vertretern von Nicht-Regierungsorganisationen diskutierten sie über "nachhaltige Lösungen für die Welternährung".

Nach Berechnungen der Vereinten Nationen (UN) werden 2050 weltweit 70 Prozent mehr Lebensmittel benötigt als heute. Die globale Nahrungsmittelerzeugung und damit die Erträge in der Landwirtschaft müssen deutlich zunehmen, um eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und den Hunger zurückzudrängen. Dass die Pflanzenbiotechnologie - die landwirtschaftliche Nutzung gentechnisch veränderter (gv-) Pflanzen - einen wichtigen Beitrag leisten kann, um diese Herausforderungen zu bewältigen, zeigten die persönlichen Berichte von Landwirten aus Brasilien, Burkina Faso, China, Uganda und den Philippinen.

"Ich bin überrascht, dass die europäischen Landwirte nicht die Vorteile gentechnisch veränderter Pflanzen nutzen können", sagte Rosalie Ellasus, eine Kleinbäuerin von den Philippinen. "An der Sicherheit und den Nutzen dieser Technologie gibt es doch inzwischen keinen Zweifel mehr. Was wir brauchen, ist nicht eine Lösung, sondern möglichst viele, damit eine wachsende Weltbevölkerung ernährt werden kann und sich gleichzeitig die wirtschaftliche Lage der Kleinbauern verbessert. Seit ich 2003 begonnen habe, gentechnisch veränderten Mais anzubauen, habe ich höhere Ernteerträge, weniger Schädlinge und ein besseres Einkommen. Ich bin gespannt, wann auch die europäischen Landwirte die gleichen Vorteile nutzen können."

Über die Erfahrungen in Brasilien sprach Dr. Ivo Carraro, Leiter einer großen Kooperative, in der 34 Gesellschaften und 180.000 Bauern zusammenarbeiten. Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen komme vor allem den Kleinbauern wirtschaftlich zugute, sagte Carraro. "Für welche Technologie man sich entscheidet, hängt vor allem davon ab, was dem Landwirt wirklich hilft, die konkreten Probleme vor Ort zu lösen." 1998 wurde der erste insektenresistente gv-Mais in Brasilien zugelassen. 2011 haben gv-Pflanzen bei Mais und Soja einen Marktanteil von 75 Prozent, sagte Carraro. "Wir hatten sieben Jahre lang eine hitzige Diskussion über gv-Soja - und natürlich wollten die Menschen mehr Information. Inzwischen gehen Politiker und Journalisten damit jedoch weniger kontrovers um."

Die guten Erfahrungen der Landwirte bestätigt auch eine Studie, deren Ergebnisse Justus Wesseler, Agrar- und Umweltökonom von der Universität Wageningen (Niederlande) auf der Tagung in Brüssel vorstellte. Danach bleiben zwei Drittel der durch gv-Pflanzen erzielten Mehrerlöse bei den Landwirten, nur ein Drittel geht an die Unternehmen. "Mit gv-Pflanzen steigen die Erträge. Dadurch vermindert sich der Nutzungsdruck auf wertvolle Habitate und Feuchtgebiete. Es wird weniger Land benötigt, um dieselbe Menge zu erzeugen."