Rumänien nach dem EU-Beitritt: Gv-Sorten nicht mehr zulässig, Sojaanbau bricht ein
(28.11.2008) Mit dem Beitritt zur EU musste Rumänien auch deren Gesetzgebung zur Grünen Gentechnik übernehmen. Ohne Übergangsfristen war damit der Anbau von gentechnisch veränderten Sojabohnen nicht mehr erlaubt. In den Jahren zuvor wurden etwa siebzig Prozent der rumänischen Sojaproduktion mit gv-Sorten erzielt, die vor allem eine effektive Unkrautkontrolle ermöglichten.
Neben Italien ist Rumänien der größte Sojaerzeuger in der EU. Nach einer langen Zeit des Niedergangs setzte in Rumänien vor etwa zehn Jahren ein erneuter Anstieg der Soja-Anbauflächen ein. Von knapp 100.000 Hektar (1999) nahmen sie bis 2006 auf 190.000 Hektar zu. Zu dieser Entwicklung trugen auch gv-Sojabohnen bei, deren Nutzung durch eine 2000 erlassene Regierungsverordnung rechtlich geregelt war.
Mit den herbizidresistenten RoundupReady-Sojabohnen stand den rumänischen Landwirten nicht nur ein neues Konzept zu einer wirksamen Unkrautkontrolle zur Verfügung. Damit konnten sie auch ihre wirtschaftlichen Erträge deutlich steigern – das belegt eine 2006 durchgeführte Umfrage unter 160 sojaanbauenden Betrieben.
- Im konventionellen Sojaanbau wurde danach in jeder Wachstumsperiode durchschnittlich 2,3 mal Herbizide aufgebracht, bei 10 Prozent der Betriebe waren es sogar vier Spritzgänge. Bestände mit gv-Sojabohnen wurden dagegen durchschnittlich nur 1,63 mal mit Herbiziden behandelt. Keiner dieser Betrieb benötigte mehr als zwei Spritzgänge.
- Drei Viertel der Befragten gab an, dass der Anbau von gv-Sojabohnen Vorteile gegenüber konventionellen Sorten habe. Als Gründe dafür werden eine bessere und effektivere Unkrautkontrolle genannt, höhere Erträge, eine bessere Qualität der Ernteprodukte und eine gute Umweltverträglichkeit.
- Die Entscheidung für das Anbaukonzept aus gv-Sojabohnen und den entsprechenden Komplementärherbiziden hat für die meisten Betriebe zu einem besseren wirtschaftlichen Ergebnis geführt: Der durchschnittliche wirtschaftliche Ertrag lag bei 180 €/Hektar. Beim Anbau konventioneller Sojabohnen betrug er 85 €/ha. Waren vier Spritzgänge erforderlich, sank der Ertrag sogar auf 25 €/ha.
Bis 2006 stiegen mit gv-Sojabohnen bewirtschafteten Flächen auf 145.000 Hektar an, etwa siebzig Prozent der rumänischen Sojaerzeugung. 2006 lagen die Erträge bei RoundupReady-Sojabohnen (1950 kg/ha) um etwa ein Drittel über denen im konventionellen Anbau (1467 kg/ha).
Mit dem Beitritt zur EU übernahm Rumänien auch die EU-Rechtsvorschriften zur Gentechnik. Damit war der Anbau von RoundupReady-Sojabohnen nicht mehr erlaubt. Ein entsprechender Zulassungsantrag wurde zwar schon 2005 gestellt, doch eine Entscheidung ist derzeit nicht in Sicht.
In Folge der veränderten Rahmenbedingungen geht der Sojaanbau in Rumänien seit 2007 deutlich zurück und beträgt 2008 nur noch 53.000 Hektar. Wegen der hohen Kosten der konventionellen Unkrautkontrolle bauen viele Betriebe keine Sojabohnen mehr an und wechseln zu anderen Kulturarten. Dadurch kann Rumänien seinen Bedarf an proteinreichen Futtermitteln nicht mehr decken: 2007 wurden 180.000 Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot eingeführt.
RoundupReady-Sojabohnen werden weltweit auf einer Fläche von 58,6 Millionen Hektar angebaut. In der EU sind die Einfuhr sowie die daraus erzeugten Lebens- und Futtermittel seit 1996 zugelassen.


