Maiswurzelbohrer: Landwirte müssen sich auf einen neuen Schädling einstellen

(05.11.2008) Im Süden Deutschlands, vor allem in Bayern, breitet sich der Maiswurzelbohrer weiter aus. Die Landwirte müssen damit rechnen, dass sich dieser Schädling schon bald in allen großen europäischen Maisanbaugebieten etabliert. In den süddeutschen Befallsgebieten gelten inzwischen weitreichende Auflagen, mit denen das Vordringen des Schädlings verlangsamt werden soll. Das Ziel, ihn auszurotten, wurde mittlerweile aufgegeben.

In Nordamerika ist der Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera Le Conte) der bedeutendste Maisschädling. Gegen den Käfer und seine Larven werden weltweit die meisten Insektizide ausgebracht. 1992 wurde er nach Europa eingeschleppt und erstmals in der Nähe des Belgrader Flughafens entdeckt. Von dort – und wahrscheinlich von weiteren Einschleppungsorten – breitete er sich rasch in Europa aus. Über Südosteuropa gelangte er nach Bayern, über Italien, die Schweiz und Frankreich nach Baden-Württemberg. Die größten Schäden entstehen durch den Fraß der Larven an den Maiswurzeln, aber auch die erwachsenen Käfer fressen an den Narbenfäden, was zu einer verminderten Kornbildung führt. Der Maiswurzelbohrer kann Ertragseinbussen zwischen und 10 und 30 Prozent verursachen, in Einzelfällen wie in Südungarn 2003 sogar bis 90 Prozent.

Die Larven des Maiswurzelbohrers fressen von den Wurzeln der Maispflanzen. Dadurch wird deren Wasser- und Nährstoffaufnahme eingeschränkt. Bei starkem Wurzelfraß fallen die Pflanzen um.
2008 wurden in der Stadt und Passau sowie in den Landkreisen Passau, Deggendorf und Straubing-Bogen 222 Käfer gefunden.

Um das Eintreffen des Käfers in Deutschland rechtzeitig zu erkennen, wurden bereits vor einigen Jahren in Bayern und Baden-Württemberg Lockstofffallen aufgestellt. Seit 2007 ist die Zahl der Funde gestiegen. Im Raum Passau / Deggendorf gilt der Schädling inzwischen als etabliert und das ursprüngliche Ziel der verordneten Pflanzenschutzmaßnahmen, die Ausrottung des Schädlings, ist nicht mehr erreichbar. Mit einer am 13. Oktober 2008 erlassenen Eilverordnung leiteten die Bayerischen Behörden einen Strategiewechsel ein: Nun gilt es, die Verbreitung des Maiswurzelbohrers einzugrenzen. Wichtigste Maßnahmen sind Vorschriften zur Fruchtfolge: In mehreren Landkreisen, die als Befalls- oder Eingrenzungszone ausgewiesen sind, darf Mais nur noch einmal innerhalb von zwei Jahren auf einer Fläche ausgebracht werden. In zwei von drei Jahren ist der Anbau von Mais nur dann erlaubt, wenn weitere gezielte Maßnahmen gegen den Maiswurzelbohrer durchgeführt werden, etwa die Beizung des Saatguts mit einem gegen die Larven wirksames Insektizid, das Ausbringen eines Bodeninsektizids oder die Bekämpfung der Käfer während der Hauptflugzeit.
Mit einem Fruchtwechsel können zwar Schäden verringert und die Ausbreitung des Maiswurzelbohrers verlangsamt werden, doch ausrotten lässt sich der Schädling damit nicht, denn ein Teil der Larven überlebt auch auf anderen Wirtspflanzen. Vor allem in den großen Maisanbaugebieten müssen sich die Landwirte auf einen neuen Schädling einstellen und geeignete Bekämpfungskonzepte finden. Einfach ist das allerdings nicht, denn der Einsatz von Insektiziden ist aufwändig, nur begrenzt wirksam und nicht unproblematisch. Im Frühjahr 2008 führte die angeordnete Beizung des Maissaatguts in Baden-Württemberg zu einem Bienensterben. Als Folge einer unsachgemäßen Beizung des Maissaatgutes waren während der Aussaat Stäube entstanden, so dass der Wirkstoff auf Blühpflanzen verfrachtet wurde. Anders als erwartet, kamen die Bienen so mit dem für sie toxischen Wirkstoff der Beize in Kontakt.
Eine Alternative ist gentechnisch veränderter Mais, der ähnlich wie bei dem bekannten Konzept gegen den Maiszünsler eine bestimmte Variante des Bt-Proteins bildet, das spezifisch gegen die Larven des Wurzelbohrers wirkt. Mittlerweile sind in den USA zahlreiche Sorten erhältlich, die eine Kombination von Resistenzen gegen beide Schädlinge besitzen. Auch in Europa sind Zulassungsanträge gestellt, aber noch weit von einer Entscheidung entfernt. Der Maiswurzelbohrer kommt – doch zumindest in den nächsten Jahren müssen die europäischen Landwirte auf gentechnisch veränderte Maissorten mit wirksamen Resistenzen gegen den neuen Schädling verzichten.

Fotos: Mihaly Czepo / www.biosicherheit.de