Minister Seehofer und SPD ignorieren Realität und setzen Innovationsstandort Deutschland aufs Spiel

Landwirte planen für 2007 den Anbau von gentechnisch verbesserten Mais mehr als zu verdoppeln und fordern endlich Mitbestimmung bei der Ausgestaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Gatersleben, 15. Februar 2007. Der Anbau von gentechnisch verbesserten Pflanzen wird sich in Deutschland im Jahr 2007 voraussichtlich deutlich ausweiten. Mehr als 70 Landwirte bzw. landwirtschaftliche Unternehmen haben über 3.700 Hektar von gentechnisch veränderten, so genannten Bt-Mais im Standortregister für den Anbau gemeldet. Viele dieser Landwirte, die mittlerweile mehr als 100.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche vertreten, haben mehr Flächen angemeldet als sie tatsächlich mit Bt-Mais anbauen wollen. Damit halten sie sich alle Optionen offen, die am besten geeigneten Flächen mit Bt-Maissorten bestellen zu können. 

Nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft Innovative Landwirte (InnoPlanta AGIL) ist die deutliche Ausweitung des Anbaus von gentechnisch verbesserten Maissorten auf die überaus positiven Erfahrungen zurückzuführen, die die Landwirte bei der Nutzung der Bt-Technologie zur Bekämpfung des Maiszünslers, dem wichtigsten Maisschädling, in den Vorjahren gesammelt haben. Die Bundesregierung hat kürzlich bestätigt, dass allein 2005 durch den Maiszünslerbefall in Deutschland ein finanzieller Schaden von 11-12 Millionen Euro entstanden ist und dass sich die Nutzung von Bt-Mais als wirksamste Methode der Schädlingsbekämpfung erwiesen habe. Neben ökonomischen Vorteilen, wie höhere und stabile Erträge, sind es vor allem auch die ökologischen Vorzüge des Bt-Mais, wie Verzicht auf Bodenbearbeitung und Insektizideinsatz, die die Landwirte überzeugt haben. Diese und weitere Vorteile nutzen mittlerweile weltweit über 10 Millionen Landwirte, die auf über 100 Millionen Hektar gentechnisch verbesserte Pflanzen anbauen. 

InnoPlanta AGIL geht davon aus, dass sich die Anzahl der Landwirte, die in 2007 Bt-Mais anbauen, gegenüber 2006 spürbar erhöhen wird. „Für diese wachsende Zahl von Landwirten, die sich als Arbeitsgemeinschaft organisiert haben, ist es deshalb absolut unverständlich, dass sie bei der Diskussion um die Novelle des Gentechnikgesetzes nicht einbezogen werden. Immerhin geht es dabei um die praktischen Anbauregeln auf unseren Betrieben, deren Auswirkungen wir Kraft Gesetz auch zu vertreten haben“ sagt Dr. Uwe Schrader, Vorsitzender des InnoPlanta e.V. „Die Zukunft um die Grüne Biotechnologie in Deutschland, die als Schlüsseltechnologie gilt und auch im Koalitionsvertrag verankert ist, wird offensichtlich in Berliner Fraktionszirkeln, Beamtenstuben und hinter bayerischen Klostermauern über unsere Köpfe hinweg und an unseren praktischen Belangen vorbei entschieden. Anders ist nicht zu erklären, dass alle bisherigen Gesprächsangebote und Vorschläge von Seiten der innovativen Landwirte an das Seehofer-Ministerium entweder ignoriert oder ohne Begründung abgelehnt wurden“ so InnoPlanta AGIL Sprecher Kaufmann. 

„Die mehrjährigen Erfahrungen, die mit dem Erprobungsanbau und dem kommerziellen Anbau von Bt-Mais in Deutschland gemacht wurden, vor allem die Wirksamkeit der Maßnahmen guter fachlicher Praxis werden ebenso vom Tisch gewischt, wie die Vielzahl internationaler Studien und die Erfahrungen unserer Berufskollegen in Spanien“ betont Kaufmann. InnoPlanta AGIL ist der Auffassung, dass die derzeitigen Diskussionen und Vorstellungen des Landwirtschaftsministeriums und insbesondere von Teilen der SPD-Fraktion des Deutschen Bundestages z.B. zu den Abstandsregeln einer wissenschaftlichen Grundlage entbehren. „Mit Isolationsabständen von mehr als 20 Meter riskiert die Politik, dass eine für den einzelnen Betrieb ökonomisch sinnvolle Größenordnung bei der Nutzung von Bt-Maissorten erst gar nicht zustande kommt“, so Kaufmann. In Europa habe es bisher keinen einzigen Fall von Ausgleichforderungen benachbarter Landwirte oder von Überschreitung des EUKennzeichnungsschwellenwertes gegeben. 

Wenn wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und politische Vernunft bei der Novellierung des Gentechnikgesetzes nicht die Oberhand bekommen, werden der deutschen Landwirtschaft die Chancen auf Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit verbaut. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten um Klimawandel sowie Rohstoff- und Energieabhängigkeiten wird auch der Innovationsstandort Deutschland aufs Spiel gesetzt. „Zuerst gehen die Wissenschaftler, dann die Firmen und später kaufen wir die Produkte aus dem Ausland teuer zurück und beklagen die Arbeitslosigkeit in Deutschland“, so Schrader abschließend. 

Die Arbeitsgemeinschaft Innovative Landwirte im InnoPlanta e.V. (InnoPlanta AGIL) ist ein Zusammenschluss von Landwirten und landwirtschaftlichen Unternehmen, die die Chancen und Potenziale der Pflanzenbiotechnologie nutzen wollen. InnoPlanta AGIL ist unter dem Dach des InnoPlanta e.V., einer Vereinigung zur Förderung und Nutzung der Pflanzenbiotechnologie, organisiert und steht bundesweit allen interessierten Landwirten offen.