15. InnoPlanta Forum

Karl-Friedrich Kaufmann eröffnet das InnoPlanta-Forum 2016.
Susanne Günther, Landwirtin und Publizistin
Die InnoPlanta-Preisträger 2016: Prof. Klaus Ammann und Sascha Karberg. Daneben Dr. Horst Rehberger und Prof. Klaus-Dieter Jany. (Von links nach rechts)

Moderne Pflanzenzüchtung - Quo vadis?

(Gatersleben, 29. September 2016)

Am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben fand am 29.09.2016 das prominent besetzte 15. InnoPlanta-Forum mit dem Leitthema "Moderne Pflanzenzüchtung - Quo vadis?" statt.

Karl-Friedrich Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des InnoPlanta e.V. blickte anfangs auf die fünfzehnjährige Geschichte des Forums zurück, das sich stets um einen sachlichen Diskurs rund um alle Fragen bemüht habe, die mit der Grünen Gentechnik in Verbindung stünden. Das gelte auch in Zukunft - trotz anhaltender Polemik einzelner Parteien und Interessengruppen gegen die moderne Landwirtschaft und persönlicher Attacken gegen Bauern und Wissenschaftler. "Bis 2050 benötigen wir weltweit eine starke Erhöhung der Agrarproduktion bei nur wenig ansteigender Flächenverfügbarkeit. Mehr Ertrag auf gleicher Fläche lautet deshalb die Zukunftsformel, bei der die moderne Pflanzenzüchtung mit all ihren Facetten wichtige Beiträge leisten kann. Der Klimawandel, resistente Schädlinge und der fortschschreitende Biodiversitätsverlust sind weitere Herausforderungen, denen sich die Landwirtschaft zukünftig stellen muss - und dies weltweit."

Staatssekretär Dr. Ralf Weber (Bündnis 90 /Die Grünen) plädierte in seinem Grußwort für einen rationalen Diskurs. Gentechnikgegner und -befürworter müssten sich aufeinander zubewegen. In einem Diskussionsbeitrag an die 100 Besucher des InnoPlanta-Forums, darunter viele Wissenschaftler, Verbandsvertreter und Landwirte, sagte er: "Sie können von der "Gegenseite" lernen." Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt werde sich stets nach den Vorgaben der EU und des Bundes für die Regulierung stellen - bis dahin könne es keine Freisetzungsversuche gentechnisch veränderter Nutzpflanzen geben. Die Forschung hingegen müsse weitergehen. Hinsichtlich der Regulierung der neuen Züchtungstechniken rechnet er, wie auch Frau Günther und Frau Jorasch, in diesem Jahr nicht mehr mit einem Votum der Europäischen Kommission.

Olaf Feuerborn, Präsident des Landesbauernverbandes Sachsen-Anhalt, plädierte für den Einsatz der neuen Züchtungstechnologien. Über diese müsste man - ebenso wie über die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln - ideologiefrei auf wissenschaftlicher Basis entscheiden. Die Saatguthersteller dürften - im Verein mit der Wissenschaft - nur das versprechen, was sie auch halten könnten. Dann könne man auch riesengroße Herausforderungen der Landwirtschaft schultern.

Neue Verfahren des Genome Editing, insbesondere die CRISPR-Cas9-Methodik, revolutionieren derzeit die molekularbiologische Forschung. Dr. Frank Hartung, JKI Quedlinburg, thematisierte die Frage „Neue Züchtungstechnologien—CRISPR-Cas9 macht alles neu?“ Er zeigte im Vergleich unterschiedlicher wissenschaftlicher Herangehensweisen, worin die methodische Innovation von CRIPR-Cas 9 besteht, wie dadurch breite Anwendungsmöglichkeiten mit neuen Optionen in der Pflanzenzüchtung und der Biotechnologie entstehen - und dies zu vertretbaren Kosten, also anwendbar auch für Klein-und Mittelständische Unternehmen (KMU). Auch für den ökologischen Landbau könnten die neuen Technologien großes Potential haben, wie Prof. Niggli vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau kürzlich berichtete.

Susanne Günther, Landwirtin und Publizistin, ließ anhand der öffentlichen Debatte über CRISPR-Cas 9 die "Aufstellung" und Strategie von "BIGGREEN", der versammelten Gentechnikgegner Revue passieren. Sie versuchten in ideologisierten Kampagnen Front zu machen gegen die Anwendung der neuen Technologien in der modernen Landwirtschaft. Dagegen helfe ein Bündnis von Wissenschaftlern bzw. Institutionen, Verbänden und Vereinen, die gemeinsam eine größere Resonanz in den Medien fänden. Das habe zuletzt das Impulspapier von VBio mit den angeschlossenen Verbänden zur Regulierung der neuen Züchtungstechnologien gezeigt. Zusätzlich bedürfe es eines mutigen Auftritts auf Veranstaltungen unterschiedlichen Formats und einer intensiveren Nutzung neuer Medien, um die Schweigespirale in den Medien zu durchbrechen.

Petra Jorasch, Expertin für Rechts- und Verbandsfragen rund um die Gentechnik, zeigte die unterschiedlichen Herangehensweisen an die Regulierung der neuen Züchtungstechnologien weltweit, differenzierte dabei vor allem zwischen der prozessorientierten Herangehensweise in der EU auf der einen, der produktorientierten Vorgehensweise in Kanada, den USA und Argentinien auf der anderen Seite, wobei nur Argentinien präzise Vorgaben mache. Entscheidend sei zurzeit, in den Gremien auf internationaler Ebene Präsenz zu zeigen, die Definitionsfragen mitzubestimmen, die am Ende jede Regulierung auf internationaler und nationaler Ebene bestimmen würde.

Nach zwei Sonderführungen im IPK (Genbank und Pflanzen-Phänotypisierung) zeigte Udo Pollmer seinen Festvortrag, den Kampf um die Gentechnikkennzeichnung als Theater- und Lehrstück in mehreren Akten. Seine Botschaft: Nur wer die Züchtung und die Züchter Ernst nehme, den Nutzen der Produkte nachweise, dadurch gesellschaftliche Akzeptanz für deren Arbeit und die Herausforderungen der Zukunft erziele, habe eine Chance, die durch Stimmungen und Propaganda geprägte Ablehnung der Grünen Gentechnik in der Mehrheitsbevölkerung zu überwinden.

Für eine objektive, zugleich aber auch allgemein verständliche Berichterstattung über Fragen der Grünen Gentechnik wurde danach der InnoPlanta Preis 2016 an den Schweizer Botaniker Prof. Dr. Klaus Ammann und den Wissenschaftsjournalisten Sascha Karberg verliehen.

 

InnoPlanta e.V.:
ist ein Zusammenschluss von Landwirten und landwirtschaftlichen Unternehmen, die die Chancen und Potenziale der Innovativen Pflanzenzüchtung und der modernen Pflanzenbiotechnologie fördern und nutzen wollen. InnoPlanta e.V. organisiert Veranstaltungen, informiert die Verbraucher und steht bundesweit allen interessierten Landwirten offen.