
- Prof. Dr. Christof Sautter, ETH Zürich, InnoPlanta-Preis 2009

- Ulli Kulke, Journalist, InnoPlanta-Preis 2009

- Thomas Deichmann, Journalist und Verleger, InnoPlanta-Sonderpreis 2009
"Grüne Biotechnologie – Deutschland am Scheideweg?"
(07.09.2009) Voll besetzt waren die Reihen des 8. InnoPlanta-Forums als Verbandschef Dr. Uwe Schrader zur Eröffnung schritt. Unter dem Motto „Grüne Gentechnik – Deutschland am Scheideweg?“ waren 160 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft, Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft nach Üplingen in das Stiftungsgut und den Schaugarten gekommen. Neben Plenarvorträgen und Statements aus Politik und Wissenschaft, stellte vor allem die Vergabe des InnoPlanta-Preises einen Höhepunkt dar.
Am Rande der Veranstaltung nutzten die Gäste sehr intensiv die Besichtigung des Schaugartens Üplingen, der europaweit ersten Freilandausstellung gentechnisch verbesserter Pflanzen und zeigten sich sehr beeindruckt.
Bereits das Grußwort der Landesregierung von Sachsen-Anhalt, überbracht durch die für Gentechnik zuständige Abteilungsleiterin aus dem Landwirtschaftsministerium, Anne-Marie Keding (Frau Ministerin Wernicke musste wegen Krankheit absagen), hob die Chancen, die die Grüne Gentechnik bietet, hervor. Sie trage wesentlich dazu bei, die deutsche Ernähungs- und Landwirtschaft weltweit konkurrenzfähig zu halten. Allerdings müssten dafür wissenschaftliche Erkenntnisse auch anerkannt werden. Im Fall des Anbauverbots von MON810 kritisierte die Landesministerin ihre Kollegin Aigner in Berlin. Das Verbot sei unbegründet, da vom MON810 keine Gefahr ausgehen würde, weshalb eine Wiederzulassung notwendig sei.
Im einleitenden Plenarvortrag betonte Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbands, die besondere Verantwortung der Politik, die eine ideologiefreie Meinungsbildung auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse fördern sollte. Es seien verlässliche Rahmenbedingungen notwendig, um die Grüne Gentechnik im internationalen Wettbewerb verantwortungsvoll nutzen zu können. „Ich appelliere an die Politik, Wettbewerbsnachteile für die deutsche Agrarwirtschaft abzuwenden. Die Weichen müssen so gestellt werden, dass Wahlfreiheit entsteht und die Grüne Biotechnologie von interessierten Marktpartnern genutzt werden kann“, forderte Verbandschef Nüssel.
Der Schweizer Wissenschaftler Prof. Dr. Beat Keller von der Universität Zürich attestierte der deutschen Pflanzenforschung nach wie vor an der Spitze der weltweiten Forschung zu stehen. Allerdings sei diese Forschungsarbeit in den letzten Jahren stark bedroht worden. Keller kritisierte, dass offenbar der Rechtsstaat nicht in der Lage ist, die Freiheit von Wissenschaft und Forschung zu schützen. Gerade Feldversuche stellen wesentliche Erkenntnisse für weitere Grundlagenforschung zur Verfügung. Deshalb müssten Feldzerstörungen mit aller Härte des Gesetzes verfolgt werden. Am Beispiel eines abgeschlossenen Feldversuchs mit Weizen zeigte Keller, dass es möglich sei, mit fundierten Erkenntnissen zu einer Versachlichung der Diskussion beizutragen.
Als „gefährlichen Trend“ bezeichnete Wolf von Rhade die zunehmenden Feldzerstörungen im ganzen Land. Von 80 Feldversuchen im Jahr 2007 sei in Folge von Zerstörungen in diesem Jahr die Anzahl der Feldversuche auf nur noch 39 gesunken. Das Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter beklagte zudem einen erheblichen Vertrauensverlust in die unanhängige Forschung, hervorgerufen durch das Anbauverbot von MON810 in Deutschland. Von Rhade forderte mehr öffentliche Gelder in die Forschung zu investieren. Bisher würden die Potentiale vor allem von Entwicklungsländern wie Indien und Pakistan erkannt. Dort würde massiv in die Forschung investiert. „Allein Indien hat im letzten Jahr eine Milliarde Euro dafür aufgebracht.“
Deutschland werde sich, so Wolfgang Clement, nur als eine der stärksten Volkswirtschaften behaupten können, wenn es auf den zukunftsträchtigen Feldern von Wissenschaft und Wirtschaft auch künftig eine international führende Rolle einnimmt. Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister war nach Üplingen gekommen, um die Festrede für die InnoPlanta-Preisverleihung zu halten. Fest stehe: „Die Branche schafft hier und andernorts Arbeitsplätze, nicht zuletzt hoch qualifizierte Arbeitsplätze, wenn wir sie denn wirken lassen.“ Derzeit könne davon allerdings keine Rede sein. Zugleich beklagte er, dass Deutschland zu risikoscheu geworden sei. Clement lobte das InnoPlanta Forum, das sich in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Diskussionsplattform für die moderne Pflanzenzüchtung und Grüne Gentechnik entwickelt habe. Dies belege auch die hohe Zahl von Vorschlägen für den InnoPlanta-Preis.
Mit dem Innoplanta-Preis wurden in diesem Jahr der Schweizer Wissenschaftler Dr. Christof Sautter und der Berliner Journalist Ulli Kulke ausgezeichnet. Ein einmaliger Sonderpreis für jahrelange sachliche Berichterstattung zur grünen Gentechnik ging an den Journalisten und Verleger Thomas Deichmann aus Frankfurt/Main. „Die drei Preisträger haben durch eine objektive, zugleich aber auch allgemeinverständliche Berichterstattung über Fragen der Grünen Gentechnik zu einer weiteren Stärkung der sachlichen Diskussion beigetragen“, erklärten Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany und Minister a.D. Dr. Horst Rehberger übereinstimmend in ihrer Würdigung.
Prof. Sautter maß dem Preis besondere Bedeutung zu, immerhin war es seine erste Auszeichnung überhaupt. Darüber hinaus erkannte er als Grund für das gesellschaftlich vorherrschende Informationsdefizit den aktuellen Biologieunterricht auf allen Ebenen der Bildungslandschaft. „Was wir essen? – spielt einfach keine Rolle mehr“, sagte er. Ulli Kulke dankte der Jury für die Auszeichnung und bezeichnete die Ehrung als Anerkennung gegen den Mainstream und für einen Journalismus gegen das Verteufeln. Deichmann beklagte vor allem die häufig pseudowissenschaftliche Begründung politischer Positionen.
Mit der politischen Dimension befassten sich die Statements aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, bei denen erstmals eine Kritikerin der Grünen Gentechnik, Cornelia Behm, auftrat. „Wir können! – Wir wollen! – Wir dürfen nicht!“, brachte Dr. Stefan Marcinowski, Vorsitzender des Deutschen Industrieverbandes Biotechnologie, die aktuelle Situation auf den Punkt.
FDP-Expertin Dr. Christel Happach-Kasan forderte eine Verantwortungsethik aller Beteiligten, die vor allem die Welternährung aber auch die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Bauern im Blick haben sollte. Sie sprach sich gegen eine Verbotspolitik aus. „Alle Akteure sollten frei entscheiden können, was sie anbauen, kaufen oder weiterverarbeiten wollen.“ Auf verlorenem Posten stand einzig Cornelia Behm, die für B´90/Die Grünen im Deutschen Bundestag sitzt. Sie sprach sich dafür aus, keinen Anbau zu genehmigen, solange ein Restrisiko bestehe. Lautstarken Protest erntete Behm mit der Forderung, wissenschaftliche Erkenntnisse nicht allein zur Grundlage politischer Entscheidungen zu machen.
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion stellte sich Einvernehmlichkeit nur in einem Punkte ein, dass am 27. September die Grüne Gentechnik in Deutschland am Scheideweg stünde.
InnoPlanta-Chef Schrader zog ein durchweg positives Fazit. „Das Forum hat allen Beteiligten Mut gemacht weiter zu machen. Es hat aber auch gezeigt, dass die Befürworter der Grünen Gentechnik deutlicher, klarer und vor allem mutiger argumentieren und kommunizieren müssen.“

