Gentechnisch veränderte Pflanzen weltweit im Aufwind. Europäische Landwirte fordern Wahlfreiheit
(12.02.2009) Weltweit nutzen 13 Millionen Landwirte in 25 Ländern gentechnisch veränderte Pflanzen. 2008 sind die Anbauflächen erneut um 10,7 auf 125 Millionen Hektar angestiegen. In Europa wird dagegen die praktische Anwendung der Agro-Biotechnologie in vielen Ländern durch unbegründete Vorschriften erschwert und eingeschränkt. Auf einer Pressekonferenz in Brüssel forderten europäische Landwirte Wahlfreiheit.
„Die europäischen Landwirte haben ein zunehmendes Interesse, neue Technologien wie die Agro-Biotechnologie zu nutzen. Nur so können sie sich den Herausforderungen der Zukunft stellen, einerseits eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, andererseits die Umwelt möglichst wenig zu beeinträchtigen“, sagte James Ede vom britischen Nationalen Bauernverband. „Überall dort, wo Landwirte tatsächlich Wahlfreiheit haben, nimmt der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu,“ ergänzt Karl-Friedrich Kaufmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft innovativer Landwirte (AGIL). „Von uns Landwirten wird immer mehr verlangt, dass wir international wettbewerbsfähig sind. Gleichzeitig wird uns der Zugang zu einer Technologie verwehrt, von deren Nutzen weltweit 13 Millionen Landwirte profitieren.“
EuropaBio, der europäische Verband der Biotechnologieunternehmen, legte eine Zusammenstellung von Umfragen und Studien aus verschiedenen europäischen Ländern vor. Sie zeigt, dass Landwirte nachdrücklich das Recht einfordern, sich für die Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen entscheiden zu können – auch dort, wo ihr Anbau derzeit nicht möglich ist, etwa weil die Regierungen einiger EU-Länder wissenschaftlich unbegründete Anbauverbote erlassen haben. Auch der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) wies in einer Erklärung darauf hin, dass in der EU bisher nur Sorten des Maiszünsler resistenten MON810-Mais zum Anbau zugelassen sind. Weltweit könnten Landwirt jedoch auf zahlreiche Sorten mit weiteren Eigenschaften zurückgreifen, so der BDP. Seit elf Jahren wurde in der EU keine Anbauzulassung für eine gentechnisch veränderte Pflanze erteilt, während weltweit der Anbau Jahr für Jahr zunimmt.
Wie aus dem aktuellen ISAAA-Report (International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications) hervorgeht, stiegen weltweit die Flächen 2008 um 9,4 Prozent auf 125 Millionen Hektar. In 25 Ländern werden gentechnisch veränderte Pflanzen landwirtschaftlich genutzt, darunter erstmals in Bolivien, Burkina Faso und Ägypten.
Im vergangenen Jahr wurde weltweit eine Fläche von 65,8 Mio. Hektar mit gentechnisch veränderten Sojabohnen bewirtschaftet, bei Mais betrug diese Fläche 37,3, bei Baumwolle 15,5 und bei Raps auf 5,9 Mio. Hektar. 72 Prozent der Welt-Sojaerzeugung wird mit gentechnisch veränderten Sorten erzielt.
Seit 2007 werden in den USA und Kanada auch gentechnisch veränderte Zuckerrüben angebaut Im zweiten Jahr erreichten herbizidresistente gv-Zuckerrüben mit einer Fläche von 257.000 Hektar einen Marktanteil von 57 Prozent.
Weiteres im Web
- Presseinformation EuropaBio: 13 million farmers around the world can't be wrong: It’s time to give European farmers the same choice
- Presseinformation Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP): Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit ungebrochen. EU darf den Anschluss nicht verlieren.
- ISAAA-Presseinformation : Gentechnisch veränderte Pflanzen an der Schwelle zum zweiten Wachstumsschub


