Gentechnisch veränderte Pflanzen: Anbauflächen steigen weltweit um 10 Prozent

Baumwollanbau in North Carolina (USA). Photo: USDA

(23.02.2011) Auch 2010 haben Landwirte in 29 Ländern wieder mehr gentechnisch veränderte Pflanzen ausgesät. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Flächen um 10 Prozent auf nunmehr 148 Millionen Hektar. 15 Millionen Landwirte, die überwiegende Mehrheit in Entwicklungs- und Schwellenländern, nutzen die Vorteile der Grünen Gentechnik. Europa hat sich von diesem weltweiten Trend längst abgekoppelt: Mit Ausnahme Spaniens beschränkt sich der Anbau von gv-Pflanzen auf wenige Felder. 

Den größten Zuwachs bei gv-Pflanzen erzielte im vergangenen Jahr Brasilien, das die Flächen für gv-Soja, gv-Mais und gv-Baumwolle um 4 Millionen Hektar (+19 Prozent) steigerte. Hinter den USA (66,8 Mio. ha) ist Brasilien nun das Land mit der zweitgrößten GVO-Fläche (25,4 Mio. ha) vor Argentinien (22,94 Mio. ha), Indien (9,44 Mio. ha), Kanada (8,84 Mio. ha) und China (3,54 Mio. ha).  Weitere Länder, die gv-Pflanzen auf einer Fläche von mehr als einer Million Hektar anbauen, sind Paraguay, Pakistan, Südafrika und Uruguay. In Australien stiegen die mit gv-Baumwolle und gv-Raps bewirtschafteten Flächen in einem Jahr um das Dreifache, in Burkina Faso haben sich die Flächen mit gv-Baumwolle 2010 mehr als verdoppelt und belaufen sich nun auf 260.000 Hektar. In dem afrikanischen Land war erstmals 2008 gv-Baumwolle ausgesät worden. Als neue Anbauländer für gv-Baumwolle sind Pakistan und Myanmar hinzugekommen.

Bei den Kulturarten dominieren weiterhin Soja, Mais, Raps und Baumwolle. Bei Soja stiegen die GVO-Flächen 2010 auf 73,3 Mio. Hektar (Zuwachs um 5,9 Prozent), bei Mais auf 46,8 Mio. Hektar (+10 %), bei Baumwolle auf 21 Mio. Hektar (+23%) und bei Raps auf 74 Mio. Hektar (+4,2%). Hinzu kommen gv- Zuckerrüben in den USA, auf kleineren Flächen noch gv-Papaya (USA und China), gv-Luzerne (Alfalfa), gv-Squash sowie in China gv-Paprika, gv-Tomaten und gv-Pappeln.

Bei der Vorstellung der aktuellen Anbaustatistik in Sao Paulo, Brasilien hob der ISAAA-Vorsitzende Clive James hervor, dass die Entwicklungsländer beim Anbau von gv-Pflanzen die Industrieländer bis 2015 überholen werden. „Die lateinamerikanischen und asiatischen Länder werden während der zweiten Kommerzialisierungsdekade eindeutig die dramatischsten Steigerungen bei den weltweit für Anbau von Biotech-Saaten genutzten Flächen erleben.“

Europa spielt in der Anbaustatistik für gv-Pflanzen kaum eine Rolle. Zwar werden acht europäische Länder aufgeführt, doch bis auf Spanien mit 90.000 Hektar Bt-Mais sind die Flächen gering. Erstmals wird in der ISAAA-Statistik auch Schweden genannt. Dort wurde ebenso wie in Deutschland und Tschechien die Anfang 2010 zugelassene Amflora-Kartoffel mit optimierter Stärkezusammensetzung angebaut.

Ein Sprecher von EuropaBio, dem Verband der europäischen Bio-Industrie, wertete die weltweiten Anbauzahlen als „eine gute Nachricht für Landwirte und Verbraucher“. Er verwies auf Umweltvorteile, eine Reduzierung bei den CO2-Emissionen und Einkommensverbesserungen für Landwirte, die mit gv-Pflanzen zu erzielen sind. In Europa sind nur zwei gv-Pflanzen erlaubt, in Nord- und Südamerika sind es mehr als dreißig. „Das ist unfair gegenüber den europäischen Landwirten“, so der EuropaBio-Sprecher.

Europa koppelt sich ab

Von der weltweiten Entwicklung im Bereich der Grünen Gentechnik haben sich Europa und Deutschland weitgehend abgekoppelt. Obwohl immer mehr gv-Pflanzen in die EU importiert werden, stagniert der gv-Anbau in Europa bzw. werden in immer mehr Ländern Anbauverbote erlassen. „Mit einer andauernden, politisch motivierten, Blockadestarre werden Wirtschaft und Wissenschaft auf dem Gebiet der grünen Biotechnologie in Europa und Deutschland nicht nur gehemmt, sondern in innovations-freundlichere Länder vertrieben. Diese Entwicklung wird nachhaltige Schäden für den Industriestandort Deutschland und insbesondere auch für die Landwirtschaft haben, die zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit verlieren wird“, sagte Uwe Schrader , Sprecher des Vorstandes von InnoPlanta.

Überall dort, wo Landwirte tatsächlich Wahlfreiheit haben, nimmt der Anbau gentechnisch verbesserter Pflanzen zu. Sie erzielen damit bessere Einkommen und leisten positive Beiträge zum Schutz der Umwelt durch z.B. verringerten Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln“, ergänzt Karl-Friedrich Kaufmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft innovativer Landwirte (AGIL).