EU-Gentechnik-Politik: "Nulltoleranz" führt zu Futtermittelknappheit

(03.09. 2009) Die Europäischen Dachverbände der Bauern, Agrargenossenschaften und der Mischfutterhersteller haben vor einer Knappheit bei Sojafuttermitteln gewarnt. Hintergrund ist die Nulltoleranz bei in der EU nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Pflanzen. Das Problem wird noch dadurch verschärft, dass weltweit immer mehr Pflanzen angebaut werden, die in der EU nicht zugelassen sind. 

Im Sommer war erneut eine Lieferung von 180.000 Tonnen Sojaschrot aus den USA von der EU zurückgewiesen wurden, da in ihr Spuren eines in der EU nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Maises gefunden wurden.

Aufgrund von Ernteverlusten in Brasilien sind die europäischen Fleischerzeuger in diesem Jahr verstärkt auf die Einfuhr von Sojafuttermitteln aus den USA angewiesen. Dort werden zahlreiche gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, die in der EU noch nicht als Futter- und Lebensmittel zugelassen sind. Selbst geringe Spuren unterhalb von 0,1 Prozent führen dazu, dass Agrarimporte in der EU nicht verkehrsfähig sind und an den Grenzen zurückgewiesen werden. Eine absolute, über die gesamte Verarbeitungs- und Transportkette wirksame Abschottung gegenüber Einstäubungen und Beimischungen ist selbst mit hohem technischen Aufwand kaum möglich.

Sollte die EU bei ihrer "Nulltoleranz"-Politik bleiben, dürfte es zunehmend schwieriger werden, auf dem Weltmarkt Agrarrohstoffe zu bekommen, die frei von jeglicher Beimischung der zahlreichen gentechnisch veränderten Pflanzen sind, die in anderen Ländern angebaut werden, jedoch in der EU nicht als Lebens- oder Futtermittel zugelassen sind. Vor allem bei Futtermitteln ist daher mit steigenden Preisen zu rechnen, so ein aktuelles Gutachten der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission (JRC, Joint Research Centre). Das JRC-Gutachten erwartet, dass die Folgeprobleme dieser "asynchronen Zulassungen" weiter zunehmen. Derzeit werden weltweit etwa 30 verschiedene gv-Pflanzen (Events) kommerziell genutzt, 2015 sollen es bereits 120 sein. Zulassungen in der EU sind langwierig und verzögern sich immer wieder aus politischen Gründen.

Um die Rohstoffversorgung zu sichern, fordert der Grain Club, eine Allianz von Verbänden der Futter- und Lebensmittelwirtschaft daher einen "praktikablen Grenzwert von 0,5 Prozent für unbeabsichtigte Spuren von GVO in Lebens- und Futtermitteln, die in Drittländern bereits wissenschaftlich geprüft und anerkannt wurden."