Agrarstammtisch zum Thema Proteinfuttermittel

Am 05. April 2018 haben die Arbeitsgemeinschaft „Innovative Landwirte“ des InnoPlanta e.V. und die Regionalbauernverbände Torgau und Delitzsch e.V. zu einem Agrarstammtisch in die Agrar GmbH Heideland nach Großwig eingeladen.

Mit Landwirten und Agrarhandelsexperten wurde das Problem der zunehmenden Forderungen des Lebensmitteleinzelhandels nach immer mehr Waren aus gentechnik-freier Produktion diskutiert.

Ulrich Blanke, Geschäftsführer der Agrar GmbH Heideland eröffnete die Veranstaltung und Ehrhard Neubauer, Vorstandsvorsitzender des Regionalbauernverbandes Torgau e.V. sowie Karl-Friedrich Kaufmann, Vorsitzender des InnoPlanta e.V. begrüßten die Teilnehmer.

Dr. Thomas Schmidt, Referent für Futtermittel und Tierernährung des Verbandes der Ölsaaten verarbeitenden Industrie in Deutschland, zeigte in seinem Einführungsvortrag die weltweite Proteinproduktion und den Proteinverbrauch sowie die Soja-Welthandelsströme und die große Bedeutung von Sojafuttermitteln für Deutschland.
Er stellte anschaulich dar, dass der EU- Verbrauch an Sojaextraktionsschrot letztlich viermal größer als die weltweit theoretisch verfügbare Menge an nicht gv-Sojaextraktionsschrot ist. Der Selbstversorgungsgrad bei Proteinfuttermitteln beträgt in Deutschland 35 %. Dr. Schmidt stellte Rapsextraktionsschrot als wichtigste nicht gv-Alternative aus europäischer bzw. heimischer Erzeugung heraus, die Verfügbarkeiten seien aber begrenzt. Heimische Körnerleguminosen werden ebenfalls stärker eingesetzt, aber letztlich auf einem insgesamt niedrigem Niveau.

In der anschließenden Diskussion stellte Ehrhard Neubauer fest, dass die preisliche Situation der erzeugten landwirtschaftlichen Produkte nicht befriedigend ist. Gleichzeitig sieht er die Entscheidung der EU, die Senkung der Zölle auf die Einfuhr von argentinischem Biodiesel, als problematisch für unseren heimischen Rapsanbau an.
Auch die politische Diskussion um "Tank oder Teller", in der die EU 2015 beschlossen hat, die zunächst auf 10 Prozent festgelegte Beimischung von Biokraftstoffen bis 2021 auf maximal 7 Prozent und bis 2030 auf 3,8 Prozent zurückzuführen, stellt den Rapsanbau in Frage und damit auch die Verfügbarkeit von Rapsextraktionsschrot.
Dennoch müssen wir Landwirte in Bezug auf Eiweißfuttermittelanbau nach Alternativen suchen und experimentierfreudig sein. Natürlich muss aber auch sichergestellt sein, dass die Verarbeitungsschiene z.B. von Sojabohnen gesichert ist.

Karl-Friedrich Kaufmann betonte „ohne modernen Pflanzenschutz und Pflanzenzüchtung können wir keine moderne Landwirtschaft betreiben“. Dazu gehört auch eine intensive Züchtungsforschung mit allen Facetten bis hin zur Gentechnik mit CRIPR/Cas. Aus der Bundesregierung gibt es wenig Unterstützung in diesem Bereich, die Wertschätzung der Landwirtschaft in der Gesellschaft steht derzeit weit unten. Wichtig ist jedoch, dass „wir im Gespräch bleiben und offen unsere Probleme ansprechen und diskutieren.“

Ein Landwirt aus Großenhain stellte seine Erfahrungen mit dem Anbau von Sojabohnen vor und ist gerne bereit seine Erfahrungen mit Interessenten auszutauschen.

Ehrhard Neubauer fasste anschließend wichtige Aussagen der Diskussion zusammen, dankte für die Organisation des Stammtisches und beendete die interessante Veranstaltung mit dem Hinweis, dass noch offene Fragen in diesem Zusammenhang Raum für weitere gemeinsame Diskussionen bieten.
 

Dokumentation