Grüne Gentechnik in Deutschland
Gas
tkommentar Ernährungsdienst Heft Nr. 41
Von
Karl-Friedrich Kaufmann
Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Innovativer
Landwirte (AGIL) im InnoPlanta e.V.
Grüne Gentechnik: Ein Verzicht bedeutet Wettbewerbsnachteile für deutsche Landwirte
Die Grüne Gentechnik ist noch immer ein Thema, das polarisiert. Landwirte, die gentechnisch veränderten Mais anbauen wollen, müssen mit öffentlichen Diskussionen und kritischen Nachfragen rechnen. Doch es wäre fatal, wenn die deutsche Landwirtschaft auf diese Technologie verzichten müsste.
Bisher ist in Deutschland und Europa erst eine gentechnisch veränderte Pflanze für den Anbau zugelassen – der Bt-Mais MON810 mit einer Resistenz gegen den Maiszünsler. Nach seiner Erstzulassung vor zehn Jahren ist er immer wieder auf seine Sicherheit geprüft worden. Das Ergebnis ist eindeutig: Er ist genau so sicher wie herkömmlicher Mais. Mehr noch: Sein Wirkstoff, das Bt-Protein, zielt ausschließlich gegen den Schädling, nicht aber gegen andere Insekten. Diese Spezifität gibt es sonst nicht im Pflanzenschutz. Da Bt-Maispflanzen keine Zünsler-Fraßspuren haben, werden sie weniger häufig von Pilzen befallen, so dass sie geringer mit Mykotoxinen belastet sind. Nach einer offiziellen Schätzung verursacht der Maiszünsler allein in Deutschland Schäden von jährlich elf bis zwölf Millionen Euro. Bei starkem Befall muss mit Ertragsausfällen bis zu 30 Prozent gerechnet werden. Landwirte, die Bt-Mais anbauen, sind von seinen ökonomischen und ökologischen Vorteilen überzeugt. Bt-Mais senkt die Kosten, sichert stabile Erträge und schont die Umwelt. In Spanien, dem Land mit der größten Anbaufläche für Bt-Mais in Europa, konnten die Landwirte ihr Ergebnis um 13 Prozent verbessern. Bleibt den deutschen Landwirten Bt-Mais verwehrt, müssen sie erhebliche Wettbewerbsnachteile in Kauf nehmen. 2007 wurden gv-Pflanzen weltweit auf einer Fläche von mehr als 110 Millionen Hektar angebaut, davon etwa 25 Millionen Hektar Bt-Mais.
Und es wird nicht bei Bt-Mais bleiben. So wartet eine gentechnisch veränderte Kartoffel auf ihre Markteinführung in Europa, die eine maßgeschneiderte Industriestärke liefert. In den USA steht den Landwirten eine herbizidresistente gv-Zuckerrübe zur Verfügung. Erste Erfahrungen zeigen, dass die Kosten um 100 Dollar je Hektar gesenkt werden können. Schon im zweiten Anbaujahr erreichte die neue Zuckerrübe einen Anteil von 50 Prozent an der amerikanischen Zuckerrübenproduktion – Tendenz steigend. Einen solchen Kostenvorteil könnten auch die Zuckerrübenbauern in Deutschland gut gebrauchen.
Der rasant steigende Bedarf an Nahrungsmitteln, Futtermitteln und nachwachsenden Rohstoffen sowie die Herausforderungen des Klimawandels und die Notwendigkeit erhöhter Biodiversität erfordern die Nutzung aller züchterischen Möglichkeiten. Die Grüne Gentechnik ist ein wesentlicher Bestandteil der modernen Pflanzenzüchtung. Wer die Forschung in der Grünen Gentechnik fördern will muss auch zu Feldversuchen und Praxisanbau stehen. Vorurteile sind durch Aufklärung und Sachinformationen auszuräumen. Die Grüne Gentechnik ist eine Chance, die in Deutschland nicht ins Abseits gestellt werden darf.

